Ole

 

 

Heute bist du eine Woche alt, kleiner Ole und ich werde versuchen, deine wunderbare Geburt in Worte zu fassen.

 

Vielleicht beginne ich mit der Geburt aus Sicht des Vaters:

 

Am Abend des 19.07.2018 gehe ich wie gewohnt schlafen. Jede Nacht könnte es soweit sein, dass sich Ole auf den Weg macht. Plötzlich werde ich geweckt: „Ich habe Wehen!“. Schon ist meine Frau wieder aus dem Schlafzimmer verschwunden. Ins Bad. Es muss kurz vor 4Uhr morgens sein, aber das nehme ich in diesem Augenblick gar nicht so genau wahr.

Ich ziehe mich an, schließe die Türen der Kinderzimmer in denen die zwei älteren Brüder schlafen und folge ihr ins Badezimmer. Dort sitzt sie auf der Toilette und veratmet ihre Wehen. Sie scheinen sehr stark zu sein. Ich warte auf Anweisung von ihr. „Ich kann nichts sagen!“, presst sie hervor. Ich fordere sie auf, weiterzuatmen, statt die Luft anzuhalten. Vorsichtig trockne ich ihr Gesicht ab. Und nach kurzer Zeit die zwei Worte: „Ruf an!“ Das bedeutet, dass ich den Hebammen Bescheid geben soll. „Küche, Mutterpass, 1.Nummer!“ Ich gehe Telefon und Mutterpass holen und wähle die Nummer. Nochmal von vorne, ich habe mich vertippt. Sabine geht ans Telefon. Ihre Fragen kann ich kaum beantworten, da ich ja bis gerade noch geschlafen hatte. „Sie hat sehr starke Wehen!“ Meine Frau ergänzt mühsam „Um 3Uhr fing es an!“ Sabine gibt an, dass sie Johanna anrufen werde, da diese 500m von uns entfernt wohnt und damit den kürzeren Weg zu uns hat. Ich sage meiner Frau, die immer noch auf der Toilette sitzt, dass ich die Haustür aufschließen und Folien im Wohnzimmer auslegen werde.

Ich höre, dass das Telefon klingelt, das ich im Bad habe liegen lassen. Als ich dort bin, ist es vorbei. „Kannst du zurückrufen?“ bittet meine Frau. Ich rufe zurück, es ist Sabine. Sie habe Johanna angerufen. Wo meine Frau den Druck spüren würde, möchte sie wissen. „Nach unten! Ich glaube, er kommt!“ Meine Frau erhebt sich von der Toilette. Ich lege auf. „Das Köpfchen kommt! Handtücher!“ Danach: „Hilf mir ihn zu halten!“ Ich halte bereits meine Hand unter dem Köpfchen meines Sohnes. „Ist es schon ganz draußen?“ möchte meine Frau wissen. „Noch nicht ganz!“ erkläre ich ihr. Sie schiebt mit und schon ist der Kopf geboren. „Jetzt!“ teile ich ihr mit. „Ich versuche zu warten, dass sich die Schultern drehen können!“ erklärt sie mir. Aber das höre ich gar nicht. Ich wähle die Sabines Nummer und berichte ihr, dass das Köpfchen schon da ist. Sollte ich weitere Anweisungen brauchen, kann ich sie direkt fragen. Ich lege das Telefon auf den Boden. Und schon schiebt meine Frau den Körper unseres Sohnes in meine Hände. Da ist er. Etwas bläulich sieht er aus. Ich höre die Türklingel. Mit Geburtshelferhänden öffne ich Johanna die Tür und begrüße sie grinsend: „Zu spät!“ Ab jetzt übernimmt Johanna. Sie gibt Sabine kurz eine Rückmeldung, dass sie jetzt da und alles in Ordnung ist und legt auf. Zeitpunkt der Geburt 4.14Uhr. Habe ich nicht gerade noch geschlafen?

 

Aus meiner persönlichen Sicht werde ich etwas ausschweifender:

 

Es ist November 2017, mein Mann und ich stehen im Bad und gucken auf den Schwangerschaftstest. „Sie sind schwanger“. Mein dritter Test fürs dritte Kind. Wir haben bereits zwei Jungen. Es ist Wochenende und ich nehme mir vor, am Montag morgen direkt im Geburtshaus anzurufen und mich dort zur Hausgeburt anzumelden. So mache ich es. Dort wird meine Anmeldung sehr herzlich aufgenommen. Um mir meine Entscheidung offen zu halten, melde ich mich ebenfalls in einer Privatklinik an. Diese möchte ich mir an einem Informatiionsabend einmal anschauen. Die telefonische Anmeldung dort ist eher sachlich.

 

Mein Mann und ich haben entschieden, den Kindern erst nach gut verlaufenen 12 Wochen vom Familienzuwachs zu erzählen. Am Silvestermorgen liegen wir zu viert im Bett, als wir es ihnen mitteilen. Alleine für die leuchtenden Augen der Jungs hat sich unsere Entscheidung für ein drittes Kind schon gelohnt. Unser ältester Sohn entscheidet für sich, dass es ein Mädchen werden soll. Er möchte wissen, wie es mit einem Mädchen ist. Und dann könne er sie später heiraten.

Als sich einige Wochen später herausstellt, dass es ein Junge wird, stellt er ganz überzeugt fest: „Das Baby lässt nicht über sich bestimmen!“ Wie recht er hat!

 

Anfang des Jahres beginnen dann die Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus. Der Infoabend in der Klinik kommt, es ist rappelvoll und ich bin schon im ersten Teil der Veranstaltung mit verschiedenen Aspekten uneins. Sollte ich in einer Klinik entbinden müssen, würde ich die ambulante Variante wählen (Notfälle ausgeschlossen). In der Pause spreche ich den Arzt an, wie es denn mit Verlegungen von Hausgeburten sei, wenn diese notwendig würden. Da die Klinik kontrollierte Geburten durchführen würde, wäre dies nicht möglich. Auch blieben die Frauen nach der Geburt mindestens vier Tage stationär. Das reicht mir aus, mich gegen die Klinik zu entscheiden, so dass wir bereits in der Pause den Infoabend verlassen.

 

Bei den zwei vorhergehenden Schwangerschaften hatte ich jeweils einen Geburtsvorbereitungskurs belegt. Diesen empfinde ich jetzt als nicht notwendig. Meine Schwester hat mich mit diverser Literatur zum Thema Geburt (Hypnobirthing, Alleingeburt, Meisterin der Geburt,…) versorgt. Ich bin dadurch informierter denn je. Auch im Bezug auf mögliche Komplikationen und wie ich diese als Frau positiv unterstützen und ihnen entgegen wirken kann. So selbstverständlich mein Verständnis einer natürlichen und selbstbestimmten Geburt bereits war, umso sicherer fühle ich mich jetzt. In der Theorie hatte ich mir vorgenommen, regelmäßig Übungen aus dem Hypnobirthing zu machen. Genauso wollte ich, im Gegensatz zu den zwei vorhergegangen Geburten einen Schwangerschaftskurs wie Yoga oder etwas ähnliches belegen. Ein paar Atemübungen habe ich sporadisch durchgeführt. Das war es dann auch. Mit zwei Kindern war ich jedoch sowieso in Bewegung.

 

Bei den Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus sollte ich alle mir noch unbekannten

Hebammen kennenlernen. Sabine und Edith kannte ich bereits von der Geburt meines zweiten Kindes. Ein Treffen mit Johanna konnte zweimal nicht stattfinden (Krankheit meiner Kinder und dann kam eine Geburt dazwischen), dafür hatte ich drei Termine bei Dori. Ein Zeichen?

 

Da die beiden ersten Kinder je zwei bzw. drei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin zur Welt kamen, bin ich fest davon überzeugt, auch in dieser Schwangerschaft nicht über den Termin zu gehen. Laut Ärztin könnte ich mit dieser Vermutung recht haben. Da geschätze Gewicht teilt sie mir mit, den Kopfumfang nicht, jedoch frage ich auch nicht. Irgendwie ist es mir hier lieber, ich weiß nicht, was mich erwartet.

Beim letzten Vorsorgetermin im Geburtshaus bei Maike erkundige ich mich, wie es eigentlich mit Akupunktur aussieht, beim dritten Kind. Irgendwie wollte ich mich längst danach erkundigen, jedoch habe ich es im Alltagstrott immer vergessen. Sie rät mir jedoch davon ab: „Oder möchtest du, dass es direkt losgeht und es von uns keiner mehr zu euch schafft?“

 

Mein ursprünglicher „Plan“ ist es, dass Zwerg Nr. drei zumindest ein paar Tage vor den Sommerferien zur Welt kommt, um mit Hilfe von Kita und Schule noch ein paar Ruhestunden am Tag zu Hause zu haben. Die Sommerferien beginnen, ich bin noch immer schwanger. In den Abendstunden spüre ich immer mal wieder ein wehenähnliches Gefühl, jedoch nicht so stark, dass es der Startschuss zur Geburt wäre.

Der erste Feriendienstag ist der errechnete Entbindungstermin und ich tauche doch wieder bei meiner Ärztin auf: „Sie wollten heute doch nicht mehr kommen!“ Auch hier scheint unser drittes Kind gerne selber entscheiden zu wollen. Die Untersuchung der Ärztin ergibt, dass der Muttermund sich auf 3cm geöffnet hat, alles andere auch soweit in Ordnung ist. „Alles was Sie brauchen, sind ein paar Wehen!“ Sie möchte mich nach einer Woche wiedersehen, die anderen Termine werde ich im Geburtshaus wahrnehmen. Eine Eipollösung möchte ich nicht vornehmen lassen. Ich denke, dass Körper und Kind

sich melden werden, wenn sie bereit sind. An diesem Tag rufe ich also im Geburtshaus unter der ersten Handynummer an und teile mit, dass mein Entbindungstermin erreicht ist und ich einen Termin in zwei Tagen zur Kontrolle bräuchte. Ich habe Johanna am Telefon. Sie ist die einzige der Hebammen, die ich bisher nicht kennengelernt habe. Sie gibt mir einen Termin in zwei Tagen bei sich selbst, damit wir uns auch noch kennenlernen können, da sie in der Woche mit Sabine Dienst hat. Da Sabine bereits das Geburtsvorbereitungswochenende bei unserem zweiten Kind gemacht hat und dann auch bei dessen Geburt dabei war, freue ich mich sehr und hoffe, dass sie erneut bei der Geburt unseres Kindes dabei sein wird. Abends habe ich weiterhin ein paar Wehen, sobald ich mich ins Bett lege, sind diese verschwunden.

Donnerstags lerne ich also Johanna kennen. Nach der Vorsorge verabschiedet sie sich augenzwinkernd bei mir mit den Worten: „Bis später dann!“

 

Ein weiterer Plan von mir war es, dass ich mich, wenn ich meine, dass die Geburt losgehen sollte, in die Badewanne legen werde. Da wir selber kein haben, bin ich auf die Wanne meiner Eltern angewiesen. In den Schwangerschaften habe ich nicht gebadet. Jedoch habe ich sowohl am Abend vor der Geburt unseres ersten als auch unseres zweiten Kindes ein Bad genommen, wonach es einige Stunden später losging. Zufall?

Das Problem an der Sache ist, dass das Bad meiner Eltern renoviert wird. Es zieht sich jetzt bereits in die fünfte Woche und erst wenn der Maler sein ok gibt, darf Feuchtigkeit an die Wände, sprich, darf gebadet werden.

Johanna hatte mir ein Uterus-Öl mitgegeben, dass die Wehen anregen soll. Da ich es nicht im Badewasser anwenden kann, könnte ich es jedoch auch auf den Bauch massieren.

 

Als ich aus dem Geburtshaus zurück komme, treffe ich meine Mutter, die mich mit der Neuigkeit begrüßt, dass das Bad zum Baden freigegeben worden sei. Es scheint fast, als täte es ihr leid, dass ich so lange darauf warten musste. Das Waschbecken, die Heizung, das Licht,… alles fehlt noch, aber ich kann baden.Als die Kinder also im Bett sind, verschwinde ich zu meinen Eltern und nehme ein Bad mit Ut-Öl. Zu merken ist nichts, keine Wehen wie an den Abenden vorher. Also beenden wir den Abend wie gewohnt und gehen schlafen.

 

Nachts um kurz nach drei Uhr wache ich von einem bekannten Schmerz auf. Ich weiß sofort, dass war eine Wehe!!! Ich veratme diese sofort. Als die nächste Wehe kommt und ich auf die Uhr schaue, ist es 3.24Uhr. Ich verschränke meine Hände mit starkem Druck ineinander, um den Schmerz besser aushalten zu können und konzentriere mich aufs atmen. Die Dauer der Wehe spielt für mich noch keine Rolle, da sie bei diesem Abstand ja noch nicht so akut sein können. 3.36Uhr ist es bei der nächsten Wehe. Ich möchte nicht mehr liegen bleiben. Ich schnappe mir meine bequeme Hose und eine Jacke zum Überziehen und verlasse leise das Schlafzimmer.

Zu meinen Vorstellungen der Geburt gehörte ebenfalls, dass ich, schließlich ist es Juli, entspannt durch den sommerlichen Garten wandere und dort ein paar Wehen veratme.

Bei Kind Nr.2 hatten wir recht schnell nach Wehenbeginn den Hebammen Bescheid gegeben, da nach der ersten Geburt von 3 ½ Stunden eine kürzere Geburt zu erwarten war. Gedauert hat sie dan tatsächlich 5 Stunden. Daher möchte ich jetzt noch keinen Trubel machen. Es war ja auch erst Wehe Nr. 3. Ich gehe auf die Gästetoilette, als die nächste Wehe kommt. In dieser Position auf der Toilette sitzend geht es irgendwie besser, aber die Wehen werden auch stärker. Kurz kann ich mich aufstellen und das Becken kreisen lassen, sinke dann jedoch direkt wieder auf die Schüssel. Ich veratme, versuche mich zu entspannen, rufe mir in Erinnerung, was ich mir aus den Büchern angelernt habe. Aber irgendwie müsste ich meinem Mann Bescheid geben. Ich möchte und kann nicht durchs ganze Haus schreien. Ich harre aus und warte einen Moment ab, in dem ich mich besser bewegen kann.

Dann „sprinte“ ich gefühlt ins Schlafzimmer: „Ich habe Wehen!“ und verschwinde ins Badezimmer, wo ich mich auf der Toilette niederlasse.Einen Augenblick später kommt mein Mann ins Bad. Er wartet ruhig ab und erinnert mich zwischendurch daran, dass ich weiteratmen und nicht die Luft anhalten soll. Ich schwitze und er trocknet mir mit einem

Handtuch das Gesicht ab.

„Ruf an! Küche, Mutterpass, 1.Nummer!“ Er verlässt das Zimmer und ist kurz danach wieder da. Ich versuche tief in den Bauch ein- und nach unten auszuatmen. Er kommt zurück. Ich merke, dass er die Telefonnummer zweimal eingeben muss, er hat sich wohl vertippt. Er meldet sich am Telefon und erklärt, dass ich starke Wehen habe. Dann legt er wieder auf. Auf dem Geburtsbericht des Geburtshauses ist später zu lesen, dass es 4 Uhr ist, als er anruft. „Das war Sabine, sie ruft Johanna an, damit sie kommt“! „Ich gehe die Haustür aufschließen und lege Folie aus!“ Dann ist er weg. Einen Augenblick später klingelt das Telefon. Ich komme nicht dran, da ich mich nicht von der Toilette wegbewegen möchte und sprechen hätte ich eh nicht können. Mein Mann hat das Telefon klingeln gehört und kommt zurück ins Bad. Das Klingeln hat bereits aufgehört. Ich stöhne und atme und ächze weiter vor mich hin und bitte ihn kurz angebunden, doch zurückzurufen. Es ist Sabine. Sie teilt meinem Mann mit, dass Johanna informiert ist und sich auf den Weg macht. 500m Entfernung liegen zwischen unseren Häusern. Daher hatten Sabine und Johanna bereits ausgemacht, dass bei Bedarf Johanna als erstes vorbei kommt. Mit dem Fahrrad ist sie etwa eine Minute unterwegs.

Dann möchte Sabine am Telefon wissen, wo ich den Druck spüre. „Nach unten! Ich glaube, das Kind kommt!“ Dass mein Mann auflegt, bekomme ich gar nicht mit. Ich stehe von der Toilette auf und kann bereits das Köpfchen fühlen. Ich bitte meinen Mann: „Kannst du mit festhalten?“ Dann hocke ich mich hin. „Handtücher!“ fordere ich ein. Er greift nach den ersten zwei Handtüchern, die er in der Schublade in die Hand bekommt und legt sie auf den Boden.

Ich versuche sanft zu pressen, eher zu schieben, und spüre, wie das Köpfchen sich herausschiebt. „Ist es ganz draußen?“ Ich suche nach Absicherung, um zu wissen, was ich zu tun habe. „Noch nicht ganz!“informiert mich mein Mann. Ich schiebe weiter und bekomme die Information: „ Jetzt ist es draußen!“ „Dann versuche ich jetzt zu warten, dass sich die Schultern drehen können!“ versuche ich mir selbst Anweisungen zu geben. Ich bekomme in dieser Phase gar nicht mit, dass mein Mann erneut Sabine anruft, um ihr zu sagen, dass das Köpfchen geboren ist und er bei Bedarf gerne Fragen an sie stellen können möchte. Ich kann jedoch nicht lange warten, denn das Gefühl lässt mich weiterschieben. Es scheint gereicht zu haben, denn der kleine Körper wird geboren. Es ist 4.14Uhr. Er sieht ein bisschen bläulich aus, sonst jedoch wie ein perfektes, kleines Wesen. Ich begrüße ihn ganz glücklich. „Es hat geklingelt!“ merkt mein Mann, ich hatte es nicht gehört. Johanna erzählt später, dass sie bereits ein zweites Mal geklingelt hat, da wir das erste Klingeln wohl nicht gehört hatten. Jens legt den kleinen Ole vorsichtig auf eins der Handtücher und geht mit angewinkelten Armen zur Haustür, um Johanna zu öffnen. Später erzählt er mir, dass er ihr mit den Worten: „Zu spät!“ die Tür geöffnet habe.

Ich bin noch ganz überwältigt von dem, was da gerade passiert ist, als Johanna hereinkommt, die Situation mit einem Blick zu erfassen scheint, mir gratuliert und den kleinen Ole begutachtet. Ich ziehe mein Oberteil aus und nehme Ole an meinen nackten Körper. Er fühlt sich sehr gut an. Johanna zeigt uns, dass die Nabelschnur bereits auspulsiert ist, so dass mein Mann diese durchschneiden kann. „Möchtest du das dieses Mal selbst machen?“ fragt er mich. Jedoch finde ich, dass das irgendwie seine Aufgabe ist. Johanna packt ihr Notfallset aus (die Geburtstasche ist ja im Geburtshaus) und Mein Mann schneidet die Nabelschnur durch. Dann wird Ole, nachdem ich ihm mit einem Griff zum Toilettenpapier das erste Mal den Po abgeputzt habe, in ein Handtuch gewickelt und mein Mann nimmt ihn auf den Arm.

„Spürst du schon ein bisschen Druck?“ fragt mich Johanna im Hinblick auf die Plazenta, die noch geboren werden muss. Ich spüre keine Wehe, aber ein bisschen Druck nach unten. Johanna zieht vorsichtig an der Nabelschnur, ich presse einmal und die Plazenta ist da. „Du hast nicht viel Blut verloren. Fühlst du dich vom Kreislauf fit und möchtest Duschen?“ fragt mich Johanna. Nach dem Duschen gehen wir ins Wohnzimmer, wo die ausgebreiteten Folien ungenutzt herumliegen. Auf dem Sofa führt Johanna die U1 durch. In dieser Zeit klingelt es erneut und Sabine kommt dazu. Ich habe sie seit der Geburt unseres zweiten Sohnes vor 4 ½ Jahren nicht mehr gesehen und freue mich sehr darüber, dass sie noch dazu kommt. Nach der U1 wechseln Ole und ich ins Bett. Als wir an den Kinderzimmertüren vorbeikommen, staune ich, dass ich gerade direkt neben ihren Türen

ein Baby zur Welt gebracht habe, und beide großen Brüder weitergeschlafen haben.

Nach einer Weile des Kuschelns hilft mir Sabine beim ersten Anlegen. Einen kleinen Moment dauert es, dann beginnt Ole zu saugen. Ein guter Start!

Johanna und Sabine machen den Schreibkram fertig, Sabine untersucht mich noch und zum Glück ist es wie beim vorherigen Mal, dass nichts genäht werden muss.

 

Nachdem sich Johanna und Sabine verabschiedet haben, nutzen wir den ruhigen Moment zu dritt. Um halb sieben hören wir unseren großen Sohn und mein Mann geht zu ihm, um ihn zu holen. Er ist noch etwas verschlafen, jedoch beginnen seine Augen zu leuchten, als wir ihm seinen Bruder Ole vorstellen. Ganz andächtig und vorsichtig wiederholt er den Namen „Ole“. Und dieses Leuchten und diese Bewunderung in seinen Augen sind bis heute geblieben.

Bis unser mittlerer Sohn aufwacht vergeht noch einige Zeit und auch er schaut sehr glücklich und selig auf den kleinen Zwerg.

 

Abschließend kann ich sagen, dass dieses besondere Erlebnis, Oles Geburt so selbstverständlich und ruhig gemeistert zu haben, für meinen Mann und mich etwas ganz besonderes ist. Wir sind stolz auf uns! Und der verbogene Toilettenpapierhalter erinnert mich täglich daran!

Vielen Dank an das Geburtshaus mit all seinen wunderbaren Hebammen, die uns auf dem Weg zu dieser natürlichen, unkomplizierten und wundervollen Geburt begleitet haben. Macht weiter so!

 

Justus

Geburtsbericht von Lena

22.Mai.2018 Justus – unser zweites Schnappskind

 

Die Geburt von Justus hat eine lange Vorgeschichte, weil ich seit der 36. SSW immer wieder so deutliche Vorwehen spüre, die teils schon regelmäßig, aber in größeren Abständen kommen, und schon mal einen Tag oder Nacht lang dauern – dass ich permanent in Habacht-Stellung bin, es könnte demnächst losgehen, weil es beim ersten Kind auch so war. Aber Justus sieht das offensichtlich ganz anders und geht noch in die Nachspielzeit. Als ich am errechneten Termin beim Frauenarzt bin, heißt es, na ja das Fruchtwasser sei wenig, die Plazenta verkalkt und der Platz auch eng, es wird Zeit, dass er rauskommt. Ich bin durcheinander nach diesem Arztbesuch, was will man mir sagen? Ein Gespräch mit Kati nimmt mir Ängste und Sorgen, denn die meisten Kinder kommen nach dem errechneten Termin und weil es Zeit ist, ist es auch normal, dass Fruchtwasser und Platz gering sind. Zwei Tage (40 +2) später gehe ich wieder zu Vorsorge bei der Frauenärztin und diese möchte, da sie selbst im Urlaub sein wird, alles abgesichert wissen und schickt mich zur genaueren Untersuchung ins Krankenhaus, um ggf. eine Einleitung abzusprechen. Ein Dopplerultraschall soll klären, ob die Versorgung noch gesichert ist und das Fruchtwasser zum Warten ausreicht. Da bei meinem ersten Kind im Krankenhaus, die Geburt am Wehentropf endete, graute es mir vor einer Einleitung. Mir geht es mit diesen Gedanken und Ängsten im Kopf gar nicht mehr gut, ein weiteres Telefonat mit Johanna, macht mich wieder zuversichtlicher. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon sehr froh, mich für das Geburtshaus und die Betreuung durch die Hebammen entschieden zu haben – dieses ständige Risikodenken und Angstmachen durch die Medizin verunsichert mich persönlich nur, auch wenn es gut gemeint ist. Die Untersuchung am Tag 40+3 ergibt alles sei noch im Normbereich, aber länger als eine Woche würde man so nicht mehr warten. Einen Tag darauf (40+4) haben wir einen Vorsorgetermin bei Johanna, die mit uns nochmal alles durchspricht und Mut macht. Es gibt ein Fläschchen Ut-öl, mit ein paar Tropfen davon soll ich abends baden gehen, es könnte den Geburtsvorgang beschleunigen. Kaum zu glauben, nach vier Tagen Verwirrung gehe ich aus dem Geburtshaus fröhlich und entspannt raus, die Sonne scheint, wir spazieren noch ein bisschen und ich bin mir sicher wir können noch warten. Auch wenn der Bauch gefühlt schon zwischen den Kniekehlen hängt und ich mich irgendwie gar nicht mehr großartig bewegen kann. Wir verbringen noch zwei wirklich schöne Tage zu dritt, gehen ins Freibad und lassen es uns im Garten gut gehen. Seltsamerweise melden sich in den Tagen zwei alte Freundinnen bei mir, die ich schon lange nicht mehr gesprochen habe, deren Kinder ein oder sogar zwei Wochen nach Termin kamen. Ich frage mich schon wie man das mit diesen ganzen Untersuchungen und Abwägungen mental durchsteht, es macht mir aber auch Mut, denn andere haben das auch schon geschafft. Die Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag (40 +5) ist seltsam, ich wache auf, kann nicht richtig schlafen, bin irgendwie nervös und unruhig. Am Morgen scheint die Sonne und es wird ein ‚perfekter‘ Tag, einfach schön zu dritt. Abends schaue ich den Tatort, nebenbei schiele ich hin und wieder zur Uhr, mal wieder so „nicht so ernst zu nehmende wehwehchen“ denke ich, aber alle 8 Minuten regelmäßig. Ich kann das gar nicht mehr ernst nehmen und warte bis Christoph von der Gartenarbeit rein kommt. Gehe dann in die Badewanne und albere mit Christoph herum, dass es ja total perfekt wäre, wenn heute Justus sich auf den Weg machen würde, weil er dann am 22. geboren wäre. Unser erster Sohn ist an einem 11. geboren, dann hätten wir zwei ‚Schnappskinder‘. So nebenbei bemerke ich, dass die Wehen nun alle 5 Minuten kommen und deutlicher werden. Aber eigentlich will ich nicht mehr baden, Christoph ermahnt mich „bleib doch noch ein bisschen drin“. Auch er ist nach den letzten Wochen froh, wenn das Kind endlich geboren ist. Nach 30 Minuten muss ich die Wehen veratmen, kurz darauf vertönen, es ist nun klar, dass sind echte Geburtswehen und ab jetzt gibt es auch kein Zurück mehr. Ich gehe aus der Badewanne raus und wir melden uns beim Geburtshaus an (gegen 23 Uhr), dass es diese Nacht wohl soweit sei und fragen nochmal nach, ab welchen Zeitpunkt man den losfahren solle. Meike meint „wenn die Wehen richtig knackig von Anfang bis Ende sind, so 90 Sekunden lang“ und „das merkst du schon, wann es Zeit ist“. Wir geben auch der Oma Bescheid, dass sie sich um Schnappskind Nr.1 kümmert, wenn wir losfahren. Christoph hat nun den Auftrag die Zeit zu stoppen, ich kann schon nicht mehr klar denken, verkrümel mich ins Schlafzimmer und innerhalb kurzer Zeit schaff ich es nur noch vorm Bett kniend ins Stillkissen zu tönen. Laut Christoph sind das aber „immer noch keine 90 Sekunden“. Ich kann nicht nachvollziehen was er da misst oder auch nicht (!?!). Um zwölf rum beschließe ich, das halte ich nicht mehr aus, wir fahren jetzt. Schnell wird die Oma verständigt zu kommen, dann geht es los. Um halb eins etwa sind wir im Geburtshaus, gerade so schaffe ich es zwischen den Wehen von Auto ins Haus. Kurz flackert der Gedanke auf „hoffentlich bin ich nicht zu früh hier“, aber schnell ist klar, dass der Muttermund bei 6-7cm offen ist und der Gedanke wohl unberechtigt war. Ich weiß auch schon gar nicht mehr was ich will, setze mich irgendwie aufs Bett und kralle meine Hände bei den Wehen in Kissen, Christoph weise ich noch an meinen Rücken zu stützen. Dankbarerweise nimmt Meike die Sache in die Hand, lässt Wasser in die Badewanne. Dort dauert es dann auch nicht lange und ich spüre die Presswehen, kurz darauf soll ich mitpressen und die Fruchtblase platzt (1:22 Uhr). Zwei oder drei Presswehen später wird der Kopf geboren. Justus macht wohl direkt lustige Grimassen und eine volle Drehung, sehr zur Belustigung der nun anwesenden (Meike, Kati und Christoph). Ein letzter Kick in meinen Bauch nach der Pirouette und mit den nächsten Presswehen wird Justus um zwanzig vor zwei geboren. Ich bin irgendwie in so einer Art Schmerztrancezustand, super erleichtert und kann es noch gar nicht glauben, dass jetzt in diesem Galopp auf einmal alles vorbei ist, worauf wir in den letzten Monaten ‚hingearbeitet‘ haben. Ich bekomme Justus auf die Brust gelegt, öffne meine Augen und meine ersten Worte sind: „Oh, bist du hübsch“. Ein wirklich hübscher kleiner Kerl ist zu uns auf die Welt gekommen. Die Nachgeburt kommt unproblematisch und danach dürfen wir uns noch ein wenig eingemuckelt aufs Bett legen, kuscheln, erste Nuckelversuche starten, etwas essen. Um halb vier verlassen wir das Geburtshaus, die ganze Nacht kann ich gar nicht richtig schlafen, so euphorisch bin ich noch. Zuhause freut sich ein großer Bruder und kommt zu uns ins Bett gehüpft. Für mich/für uns war das Geburtshaus die absolut richtige Entscheidung, allein die Begleitung während der Schwangerschaft durch die Hebammen waren es wert und die Geburtshilfe war genau so, wie ich es mir gewünscht hatte: ich konnte darauf vertrauen, dass mir in meinem Sinne geholfen wurde – vielen Dank und großen Respekt vor eurer tollen Arbeit!

Als Ava zu uns kam…

 

Als Ava zu uns kam…

Am 02. Mai 18 waren Simon und ich zur Anmeldung zur Geburt im Krankenhaus. Wir haben uns vorher intensiv damit beschäftigt, wie wir uns die Geburt unserer Tochter wünschen und waren uns einig, dass die Geburt möglichst natürlich sein sollte.
Ich hatte bereits gelesen, dass dieser Wunsch in Krankenhäusern häufiger nicht erfüllt wird, was z.B. die recht hohen Interventionsraten zeigen. Trotzdem bin ich aufgrund der Informationsabende, die wir in unterschiedlichen Krankenhäusern besucht hatten, davon ausgegangen, dass man, bei entsprechender Absprache, auch in einem Krankenhaus bei einer natürlichen Geburt unterstützt wird. Die Hebamme, mit der wir nun das Gespräch führten, war sehr freundlich und nahm meine Daten in eine Akte auf. Als ich unseren Wunsch nach einer natürlichen Geburt formulierte (keine künstlichen Schmerzmittel, keine dauerhafte CTG Überwachung, kein routinemäßiger Venenzugang, Entspannung und möglichst Geburt in der Geburtswanne) sagte sie, das sei alles möglich, nannte aber zahlreiche Gründe (darunter keine medizinischen), die eintreten könnten, unter denen es dann nicht möglich wäre, die Wünsche zu berücksichtigen. Weil sie nichts von meinen Wünschen in meine Patientenakte aufgenommen hat, gab ich ihr unsere Geburtswunschliste mit der Bitte, sie in die Akte zu legen. Sie nahm die Liste zögerlich mit den Worten: „Das kann ich machen, aber….“. Ich ergänzte den Satz dann: „…aber das wird eh keiner lesen, stimmt’s?!“ Daraufhin meinte sie, dass wenn Zeit ist, man da einen Blick drauf werfen werde. Ihre weitere Empfehlung an mich war, dass ich mich nicht weiter mit der Geburt beschäftigen solle, ich werde eh vor Schmerzen aus dem Fenster springen. Daher soll ich dann einfach zu ihnen kommen, sie werden mir schon helfen.
Simon und ich waren nach dem Gespräch sehr ernüchtert. Unsere Hoffnung und unser Vertrauen darauf, dass wir in diesem Krankenhaus eine natürliche Geburt erfahren werden, waren gleich Null. In meiner Verzweiflung erinnerte ich mich, dass meine Hebamme mir empfohlen hatte, über eine Geburt im Geburtshaus nachzudenken.
Zu Hause angekommen, googelte ich nach dem Geburtshaus Bielefeld, von dem ich bereits öfters gehört hatte. Die Homepage machte einen sehr guten Eindruck auf mich und ich griff spontan zum Telefon und rief dort an. Ich weiß gar nicht mehr, mit wem ich telefoniert hatte, jedenfalls umriß ich kurz mein Erlebnis im Krankenhaus und fragte, ob ich noch im Geburtshaus aufgenommen werden könnte. Die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung fragte nach dem ET, das war der 19.05.18. „Oh, das ist ja sehr bald!“, war ihre nachvollziehbare Reaktion. Ich sagte: „Ja, ich weiß, aber ich dachte, fragen, ob es noch möglich ist, kann man ja versuchen…“. Da stimmte mir die freundliche Frau zu und sagte, sie würde das abklären und mich zurückrufen. Eine halbe Stunde später fielen mir tausend Steine vom Herzen, weil ich die Zusage erhielt, dass ich im Geburtshaus Bielefeld noch aufgenommen werde. Ich war unendlich dankbar und glücklich. Danach machten wir die Termine zur Planung der Geburt in recht engen Abständen, um noch alles rechtzeitig zu schaffen. Auch Simon hatte noch die Gelegenheit das Geburtshaus und ein paar der netten Hebammen dort kennzulernen.
Am 18.05. gegen Mittag setzen dann die Wehen ein. Am Abend kamen sie in regelmäßigen Abständen. Gegen drei Uhr nachts kamen die Wehen dann nach der 3-2-1 Regel und ich rief die erste Hebamme an. Johanna und ich haben dann abgesprochen, dass wir in einer Stunde von zu Hause aufbrechen werden und eine weitere Stunde später im Geburtshaus sein werden, da wir eine Anfahrt von einer Stunde hatten. Gegen fünf Uhr morgens trafen wir im Geburtshaus ein und wurden herzlich von Johanna begrüßt. Auf ihre Empfehlung machten wir einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Anschließend erwartete Johanna uns mit einem Entspannungsbad. Daraufhin lag ich in der Badewanne in bester Gesellschaft von Simon und Johanna. Als sich der Muttermund auf neun Zentimeter geöffnet hatte und es nicht so richtig mit der Geburt weiterging, empfahl mir Johanna in die tiefe Hocke vor dem Bett zu wechseln, wo Simon mich dann auf dem Bett sitzend halten konnte.
Inzwischen war auch Edith als zweite Hebamme eingetroffen. Jetzt wecheselten wir die Position, sodass Simon auf dem Bett saß und mich in der tiefen Hocke halten konnte. Nach einer Weile wechselten wir nochmal in die Seitenlage auf dem Bett und dann wieder zurück in die tiefe Hocke. Auch wenn dieser Teil der anstrengenste während der ganzen Geburt war, so war mir die Unterstützung, die Simon, Johanna und Edith leisteten, doch eine enorme Hilfe für mich. Ihr Zuspruch, dass ich alles gut mache und ich das schaffen werde und einfach ihre unterstützende Anwesenheit gaben mir Kraft und machten die Geburt zu einer wunderbaren Erfahrung.
Als Ava Louisa schließlich geboren wurde war das ein unbeschreibliches Gefühl. Plötzlich war die ganze Anstrengung vorbei und wir konnten zum ersten mal sehen, wie unsere Tochter aussieht. Hannah und Edith hatten sie in Empfang genommen und sie lag ganz friedlich vor uns und schaute sich interessiert um.
Von da an konnten wir ganz in Ruhe als Familie zusammenfinden. Wir konnten zu dritt im Bett liegen, Ava hat mit Simon gekuschelt während Hannah und Edith mich versorgt haben. Dann gab es ein leckeres Frühstück ans Bett, ich konnte Ava das erste Mal stillen und Edith hat Simon gezeigt, wie man Ava am besten wickelt und anzieht.
Nach ein paar Stunden konnten wir dann gut gestärkt und überglücklich nach Hause fahren. Deswegen bleibt uns nur noch zu sagen: Danke an das Team des Geburtshauses und natürlich ganz besonders an Hannah und Edith für diese wunderbare Geburtsbegleitung!

 

Nora

Geburtsbericht Nora 13.03.2018

 

Mein ET war der 05.03.2018 und schon drei Wochen vorher standen mein Freund David und ich in den Startlöchern – es könnte ja jederzeit losgehen!

Doch der ET kam und ging und es tat sich außer reichlich Übungswehen rein gar nichts. Ab ET war ich alle zwei Tage im Geburtshaus zum CTG und dem Baby ging es immer super. Ich versuchte durch viele Spaziergänge, warmes Baden und Massagen mit UT-Öl die Wehen anzuregen – mit mäßigem Erfolg. An ET+7 begann ich zu akzeptieren, dass es wohl noch dauern würde und prompt begannen abends um 18:30 die Wehen. Am Anfang glaubte ich noch nicht an den Geburtsbeginn, doch als die „Übungswehen“ immer stärker wurden und in kleinerem Abstand kamen, wurde ich langsam aufgeregt und rief die erste Hebammennummer an. Johanna nahm ab und wir vereinbarten, dass ich mich später melden sollte, wenn die Wehen alle 3-4 Minuten regelmäßig kommen.

So wehte ich also zu Hause vor mich hin während David noch ein kurzes Nickerchen hielt. Etwa ab Mitternacht begannen die Wehen wirklich unangenehm zu werden, sodass ich sie veratmen musste. Gegen halb 4 waren sie so regelmäßig und stark, dass wir entschieden, Johanna aus dem Schlaf zu klingeln. Wir vereinbarten, uns um halb 5 (ET+8) im Geburtshaus zu treffen. Die Autofahrt (10 Minuten) dorthin war keine Freude! Die Wehen auf dem Beifahrersitz auszuhalten war sehr viel schwieriger als im Stehen zu Hause…

Im Geburtshaus angekommen begrüßte uns Johanna und wir fühlten uns direkt wohl. Es war still und friedlich und ich konnte mich gut entspannen. Eine kurze Untersuchung ergab, dass der Muttermund bereits 3-4cm geöffnet war. Johanna empfahl, dass wir noch eine Runde spazieren gehen, um die Wehen weiter anzuregen. Leider folgte dann die erste Überraschung des Tages: Beim Verlassen des Geburtshauses stolperte ich im Dunklen die Treppe runter und spürte sofort einen heftigen Schmerz im Fuß! Damit hatte sich das Spazierengehen dann erledigt… Johanna besorgte eine Kühlkompresse und der Fuß wurde sofort dick und blau. Leider wurden auch gleichzeitig die Wehen schwächer und seltener.

Nach einiger Zeit konnte ich wieder einigermaßen auftreten und wir entschieden, die Geburt wie geplant weiterzuführen. Etwa gegen 6 Uhr wurden die Wehen wieder deutlich stärker und ich brauchte die Unterstützung von David und Johanna um sie auszuhalten und zu veratmen. David war mir dabei eine große Stütze – ohne ihn hätte ich die Wehen nicht so ruhig bewältigen können. Kurze Zeit später war der Muttermund fast ganz geöffnet und während einer Wehe platzte die Fruchtblase.

Plötzlich ging alles ganz schnell und ich realisierte, dass Nora nun gleich geboren werden würde. Johanna leitete uns in der Geburtsposition an und Dorina kam als zweite Hebamme dazu. Die Presswehen waren ein verrücktes Gefühl und ich war froh um die entspannte Atmosphäre denn so konnte ich mich voll auf die Wehen und Johannas Anleitung einlassen. Nach wenigen Presswehen wurde Nora komplett in einer Wehe um 08:01 Uhr geboren und ich konnte es nach den stundenlangen Wehen nicht fassen. Da war sie! Klein und erst noch blau, dann rot, lag sie da! Nach dem Durchtrennen der Nabelschnur lag sie auf meiner Brust und David und ich wurden von unseren Emotionen überwältigt!

Leider wurde kurz darauf klar, dass die Plazenta nicht vollständig war und ich weiterhin viel Blut verlor. Johanna und Dorina entschieden darum, dass eine Verlegung ins Krankenhaus notwendig war. Der Krankenwagen wurde gerufen und kurze Zeit später wurde ich ins Krankenhaus transportiert, wo ich dann eine Nacht bleiben musste. Johanna begleitete mich im Krankenwagen und David und Dorina folgten uns nach der U1 zusammen mit Nora.

Ich bin sehr dankbar für die Begleitung der Hebammen und die ruhige und entspannende Atmosphäre des Geburtshauses. Genau so (abzüglich des verstauchten Fußes und die Verlegung ins Krankenhaus 😉 ) hatte ich mir meine erste Geburt gewünscht! Danke!

 

In manchen Träumen ein Funken Wahrheit….

Geburtsbericht 12.03.2018

Während meiner Schwangerschaft habe ich eines Nachts geträumt, dass unsere Tochter bereits auf der Welt ist und ich meinen Mann frage, an welchem Tag sie geboren wurde. Mein Mann antwortete: „Na, am 11. März.“

Mein Traum kam mir wieder in den Sinn, als ich am 11. März, einem Sonntag, um 5 Uhr in der Früh aufwachte und ein Ziehen im Unterleib spürte – ein bisschen wie Regelschmerzen und bisher in meiner Schwangerschaft noch nicht vorgekommen. Ich vermutete, dass dies wohl die ersten kleinen Wehen sein könnten, die die bevorstehende Geburt ankündigten. Doch da es bei dem leichten Ziehen blieb, legte ich mich wieder schlafen.

Als mein Mann und ich ausgeschlafen erwachten, berichtete ich ihm von dem weiter bestehenden Gefühl der ersten Wehen. Wir wurden beide ein bisschen vorfreudig. Beim Frühstück wurden aus dem Ziehen allmählich rhythmische Wehen, wenn auch sehr leichte. Sie folgten bereits einem Takt: eine Minute Wehen, fünf Minuten Pause. Uns war klar: dies war ein deutliches Zeichen, dass die Ankunft unserer Tochter in der Welt nicht mehr allzu lange auf sich warten ließe.

Im Laufe des Vormittags pendelten sich die Wehen auf einen neuen Rhythmus ein: eine Minute Wehen, zwanzig Minuten Pause. Ich wählte vorsichtshalber schon einmal die Notrufnummer des Geburtshauses und hatte Johanna in der Leitung. Ich erzählte ihr von den Vorzeichen der Geburt und wir verabredeten, dass ich mich melden würde, sobald die Wehen stärker und kürzer aufeinander kommen.

Den Nachmittag verbrachten mein Mann und ich auf der Geburtstagsfeier meines Vaters. Auch, wenn wir nur fünf Minuten von meinen Eltern entfernt wohnen, stand die Geburtstasche sicherheitshalber gepackt im Auto. Wir weihten unsere Eltern ein, damit diese nicht überrascht wären, sollten wir die Feier sehr plötzlich verlassen. Den übrigen Gästen erzählten wir nichts von meinen Wehen. Wir fürchteten, dass es ansonsten den gesamten Tag kein anderes Gesprächsthema mehr geben würde.

Im Laufe des Abendessens wurden die Wehen stärker, sodass wir die Feier gegen acht Uhr verließen. Zuhause kamen die Wehen dann auch immer schneller hintereinander. Bald hatte ich einen Eine-Minute-Wehen-fünf-Minuten-Pause-Rhythmus erreicht. Wir lenkten uns mit einem Gesellschaftsspiel ab. Zwischendurch brauchte ich nun bereits schon Pausen, um die Wehen zu veratmen. Bei einem erneuten Anruf versicherte mir Johanna, dass es bis zur Geburt noch etwas dauern würde. Sie erklärte mir, wie sich die Wehen im Laufe der Zeit verändern würden und wann es Zeit ist, ins Geburtshaus zu kommen.

Gegen ein Uhr legte ich mich zuhause in die Badewanne, um mich dort während der Wehenpausen besser entspannen zu können. Mein Mann unterstützte mich dabei so wunderbar, wie ich es mir nur wünschen konnte. Er regulierte die Wassertemperatur und motivierte mich mit anerkennenden und aufbauenden Worten.

Gegen zwei Uhr wurden die Wehen so stark, dass ich bereits das Gefühl bekam, leicht mitschieben zu müssen. Jetzt wollte ich schnell ins Geburtshaus. Wir informierten Johanna und verabredeten uns in zwanzig Minuten dort. Als ich aus der Badewanne stieg, platzte die Fruchtblase und die darauffolgenden fünf Minuten Dauerwehen ließen mich für einen Moment zweifeln, ob wir es überhaupt rechtzeitig ins Geburtshaus schaffen würden. Doch die Wehen normalisierten sich. Nach einer gefühlt endlosen Autofahrt – tatsächlich ging sie super schnell, alle Ampeln waren uns wohlgesonnen – erreichten wir das Geburtshaus.

Johanna erwartete uns mit gefüllter Badewanne. Bei der Untersuchung stellte sie fest, dass der Muttermund bereits vollständig geöffnet war. Kaum etwas erleichterte mich in dieser Nacht so sehr wie diese Aussage. In Windeseile war ich auch schon in der Badewanne, umringt von Kerzenlicht. Das warme Wasser erleichterte mir die letzten Wehen ebenso wie mein einfühlsamer Mann neben mir und Johanna vor mir. Es dauerte nicht lange, da kam auch Dori hinzu. Zu viert saßen wir in und um die Badewanne und abgesehen von den Wehen und der Anstrengung war es richtig gemütlich. Dori sagte später noch, dass wir in den Wehenpausen über so lustige Themen gesprochen haben. Ich erinnere mich nur noch, dass wir feststellten, dass unsere Tochter vom Sternzeichen Fische sein wird und nun sogar im Wasser auf die Welt kommt.

Die ganze Zeit über fühlte ich mich geborgen und wusste, dass ich hier richtig aufgehoben bin. Alles war so friedlich und Johanna unterstützte mich optimal mit Tipps zur Atmung und Infos zum Voranschreiten der Geburt. Um kurz nach vier sagte mein Mann: „Ich sehe schon das Köpfchen!“ Einige Wehen später tauchte der Kopf unserer Tochter unter Wasser auf. Meinem Mann stiegen die Glückstränen in die Augen. Noch eine Wehe, dann waren alle Schmerzen verschwunden und Johanna legte mir unsere wunderbare Tochter auf die Brust. Gehüllt in ein mit warmem Wasser getränkten Handtuch erlebte sie dort ihre ersten Minuten auf dieser Welt. Wir waren erschöpft, aber auch so erleichtert und überglücklich.

Während die Plazenta geboren wurde, gingen mein Mann und Dori mit unserer Kleinen zum Abtrocknen, Messen und Wiegen. Anschließend erholten wir uns zu Dritt im Bett und genossen unsere soeben gegründete Familie. Johanna bereitete uns ein Stärkungsfrühstück. Auch unsere Tochter trank bereits fleißig. Ich war erleichtert, denn ich ahnte, dass auch das weitere Stillen ohne Schwierigkeiten funktionieren würde.

Gegen Viertel nach sieben hatten wir uns angezogen und unsere Sachen gepackt. Johanna und Dori verabschiedeten uns am Auto. Dank einer Flasche Cola machte mein Kreislauf den ersten Ortswechsel gut mit. Mein Mann startete den Wagen und schon waren wir auf dem Weg in unser Zuhause. Unsere Kleine schlief auf der Rückbank, während wir unser Glück dieser traumhaften Geburt und des neuen Lebens zu Dritt kaum fassen konnten.

(Unsere Tochter kam schließlich – nicht wie im Traum prophezeit – am 12. März zur Welt. Dennoch: Den Großteil der Geburt erlebten wir am 11. März. In manchen Träumen steckt vielleicht doch ein Funken Wahrheit…)